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Steven Gätjen über die deutsche Filmbranche: "Wir sollten nicht immer so böse auf unsere eigenen Künstlerinnen und Künstler reagieren."

Autorenbild: Sascha Alexander Batzing
Sascha Alexander Batzing
15. Sept.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Sept.

Steven Gätjen ist vor allem eines: Filmfan. Seit vielen Jahren berichtet der Moderator von den Oscars, spricht mit Filmschaffenden aus aller Welt und teilt seine Begeisterung für das Kino. Mit „Hollywood Kills“ richtet er seinen Blick zugleich auf die dunkleren Geschichten der Traumfabrik. Im Gespräch spricht er übers Kino als gemeinschaftliches Erlebnis, die Möglichkeiten des deutschen Films und darum, was der enorme öffentliche Druck mit Menschen in Hollywood machen kann.


15.09.2026

von Sascha Alexander Batzing


Steven Gätjen ist seit über 20 Jahren im deutschen Fernsehen zu sehen, darunter als Moderator für RTL, Sat.1 und ProSieben. Mittlerweile ist er auch als Produzent und Podcaster tätig. Foto: Anelia Janeva Photography.
Steven Gätjen ist seit über 20 Jahren im deutschen Fernsehen zu sehen, darunter als Moderator für RTL, Sat.1 und ProSieben. Mittlerweile ist er auch als Produzent und Podcaster tätig. Foto: Anelia Janeva Photography.

Dieses Interview ist in Zusammenarbeit mit dem Film-Podcast "Knights of Cinema" von Sascha Alexander Batzing entstanden. Die Folge zu dem Interview ist am 06. September 2026 erschienen. Der Podcast behandelt Themen rund um Kino, Neustarts und hatte bereits viele prominente Gäste wie z. B. Bruno Alexander, Annabelle Mandeng oder Charly Hübner zu Gast.


Steven, du beschäftigst dich viel mit Filmen. Bezeichnest du dich selbst eher als Filmfan oder Filmkritiker?

Filmfan, hundertprozentig. Filmkritiker klingt immer so negativ. Filmfan, Filmliebhaber. Ich will ja nicht immer alles kritisieren, ich will auch mal alles feiern, was da passiert.


Und genießt du Filme lieber im Kino oder Couch?

Kino. So sehr ich meine Couch liebe und es auch liebe, zu Hause zu gucken: Es geht nichts über das Erlebnis im Kino, mit fremden Menschen einen Film anzuschauen, zu lachen, zu weinen, sich zu gruseln. Ich mag Menschen und deswegen mag ich es auch, ins Kino zu gehen.


Gab es bei dir einen Film, der dein Filmfieber geweckt hat?

Das ist schwierig auf ein einzelnes Ereignis festzumachen. Geschichten haben in meiner Familie immer eine große Rolle gespielt. Meine Großeltern haben mir Geschichten erzählt, wir haben viel gelesen, vor allem fantastische Geschichten. Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger kam dann „Star Wars“, später „Die Goonies“. Ich habe alles verschlungen. Mein Vater hat uns gleichzeitig viele alte Filme gezeigt – von „Casablanca“ über „Vom Winde verweht“ bis „Citizen Kane“. Mich hat diese Bandbreite immer fasziniert. Filme können Menschen für zwei Stunden mitnehmen, ganz egal ob Dokumentation, Drama, Comedy oder Abenteuerfilm.


Was gehört denn für dich zu einem perfekten Kinoerlebnis?

Pünktlich da zu sein ist für mich ganz wichtig. Ich mag es, die Werbung und die Trailer zu sehen. Dann kaufe ich mir Snacks – süß-salziges Popcorn – und ein Getränk. Das darf aber nicht zu groß sein, weil ich während des Films nicht auf die Toilette gehen möchte. Dann richte ich mich auf meinem Sitz ein, finde eine gemütliche Position und dann: ab dafür.


Wie stehst du denn zu deutschen Filmen?

Sehr positiv. Ich bin ein Fan des deutschen Films. Die Streaming-Welt war mit das Beste, was der deutschen Film-, Fernseh- und Serienlandschaft passieren konnte, weil kreative Menschen mehr Möglichkeiten bekommen haben, zu zeigen, welche Ideen in ihnen stecken. Problematisch finde ich teilweise unsere Filmförderung und die Frage, wie die Töpfe verteilt werden. Gleichzeitig gibt es großartige deutsche Filme und Serien. Ich finde auch, wir sollten nicht immer so böse auf unsere eigenen Künstlerinnen und Künstler reagieren. Wenn Millionen Menschen einen Film sehen, dann trifft er offensichtlich einen Nerv.


Du sagtest bereits, dass Horror nicht so dein Ding ist. Trotzdem begibst du dich jetzt mit deinem Podcast „Hollywood Kills“ in den Bereich True Crime. Was glaubst du, ist generell das Faszinierende an True Crime?

Ich glaube, es hat einen ähnlichen Effekt wie „Aktenzeichen XY“: die Vorstellung des Bösen, das da draußen existiert, aber trotzdem weit weg ist und dazu kommt ein voyeuristisches Gefühl. True Crime ist außerdem eine Aneinanderreihung von Rätseln, ähnlich wie ein Thriller. Man kann sich in den eigenen vier Wänden gruseln und das Böse gleichzeitig auf Distanz halten. Ich glaube, das macht alles spannender.


Der rote Teppich, die Oscars und viel mehr: Du kennst eher die helle Seite von Hollywood. Hat sich dein Blick auf Hollywood durch den Podcast verändert?

Ich glaube, ich hatte immer schon einen ganz gesunden Blick auf das, was da geschieht – dass vieles mehr Schein als Sein ist. Ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass Hollywood ein sauberes Plätzchen ist, an dem sich alle liebhaben. Diese Maschinerie kann ziemlich hart sein. Junge Talente werden hochgejubelt und in der Sekunde, in der sie ein Fehlverhalten zeigen oder vielleicht einen Flop landen, fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. Stell dir Gerüchte im eigenen Freundeskreis vor und potenziere das um eine Million oder zehn Millionen. Das ist echt hart. Gerade junge Menschen können mit diesem Druck kaum klarkommen. Hinter den Kulissen passiert eine ganze Menge. Wir haben im Podcast viele Fälle besprochen. Dadurch entmystifiziert man natürlich auch etwas. Das helle Licht wirft eben auch große Schatten.


Wenn du die Möglichkeit hättest, eine Botschaft, einen Film, auf großer Leinwand zeigen zu können: Welche Botschaft würde da stehen und welcher Film würde laufen?

Meine Botschaft wäre: „Be open, be kind and be curious.“ Also: Sei offen, sei nett und sei neugierig. Ich finde, das ist das Allerwichtigste im Leben: sich für neue Dinge zu öffnen, neugierig zu sein und vor allem nett zu sein. Mehr Empathie ist etwas, was ich gerne predige. Danach würde ich „Stand by Me“ zeigen. Ein Coming-of-Age-Film über Freundschaft, über das Erwachsenwerden, über das Entdecken und über das Geschichtenerzählen. Die Prämisse ist natürlich tragisch, aber das, was daraus entsteht, finde ich immer noch großartig.



Sascha Alexander Batzing ist Podcast-Host und leidenschaftlicher Filmliebhaber. Seit 2025 spricht er in seinem Podcast „Knights of Cinema“ mit Filmschaffenden und Persönlichkeiten aus der Kulturbranche über ihre Arbeit, prägende Filme und die Zukunft des Kinos.





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