Romantisch, chaotisch und zermürbend: "Hero: Eine Liebesgeschichte"
- Tara Yakar
- vor 6 Tagen
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Aktualisiert: vor 22 Stunden
In "Hero: Eine Liebesgeschichte" von Katie Buckley begleitet man Protagonistin Hero sieben Tage lang auf der Suche nach Klarheit über Liebe, Erwartungen und die eigene Identität. Buckleys poetischer, intensiver Schreibstil verwandelt den Roman in einen literarischen Monolog über Emanzipation, Selbstfindung und Fragen, die vielen Menschen vertraut sind.
28.01.2024
von Tara Yakar

Kann man auch als Ehefrau selbstbestimmt und feministisch bleiben? Diese Frage stellt sich Protagonistin Hero, als ihr Freund um ihre Hand anhält. Denn die Protagonistin könnte sich nichts Schlimmeres vorstellen, als ihre Identität zu verlieren und plötzlich im Titel der „Frau von“ gefangen zu sein. Sieben Tage Bedenkzeit sollen ihr mehr Klarheit darüber verschaffen, was sie wirklich von ihrer Beziehung und dem Leben will. Ein Balanceakt zwischen Emanzipation, Liebe und Kompromissen.
"Hero: Eine Liebesgeschichte" frustriert. Weil die Geschichte nahbar, real und gleichzeitig unklar ist. Wer bin ich ohne ihn? Was will ich wirklich? Was wird von mir erwartet? Fragen, die dem ein oder anderen bekannt vorkommen könnten. Doch die Antworten verstecken sich zwischen Gedankensprüngen, poetischen Bildern und einem brüchigen Plot. Gerade wenn man sich in die Geschichte einfindet, verliert man den Halt. Die wörtliche Rede verschwimmt oft mit dem Fließtext, Szenen und Zeiten wechseln abrupt. Das Lesen ist suchend statt fließend: Die wörtliche Rede lässt sich oftmals nicht vom restlichen Text abgrenzen und auch die Zeitsprünge und Szenenwechsel laden dazu ein, sich irgendwo zwischen den Seiten zu verlieren und das Buch frustriert wieder auf den Nachtschrank zu legen.
Durchhalten lohnt sich
Der Roman ist verwirrend und trotz des Chaos bringt Autorin Buckley es mit vielen Sätzen auf den Punkt. Direkt und durch die Blume, denn ihr Schreibstil ist wunderschön, eindrücklich und voller Poesie. Erst als man begann, das Buch weniger als klassischen Roman und mehr als literarischen Monolog zu lesen, fiel mir das Eintauchen leichter. Betrachtet man einzelne Absätze wie kleine Gedichte, entfaltet sich der Zauber des Textes – so sehr, dass die eigentliche Handlung zur Nebensache wird.
Als Roman funktioniert die Geschichte demnach nur bedingt, dafür fehlt die strukturelle Klarheit. Aber als Gedankenstrom, als feministische Selbstbefragung in sprachlich starker Form, lohnt sich das Durchhalten. Denn wer bereit ist, sich durch das Chaos zu lesen, wird mit mutigen Gedanken belohnt.
Katie Buckley wuchs in Kanada und Großbritannien auf und studierte kreatives Schreiben an der Royal Holloway University of London. Ihr Debütroman "Hero" erschien 2025 im Verlag pola (Bastei Lübbe).
Erschienen: 2025 bei Bastei Lübbe, pola. / Seiten: 224



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