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Oma hatte Recht – Wie 'Grandma Hobbies' unsere mentale Gesundheit verbessern können

  • Autorenbild: Hannah Kleibolde
    Hannah Kleibolde
  • vor 13 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Stunden

Seit einiger Zeit greifen immer mehr Menschen aus der Generation Z zu den alt bewährten Hobbys unserer Großeltern. Stricken, häkeln, puzzeln und backen sind nicht nur auf meiner ForYou auf TikTok Zuhause, sondern auch immer wieder Thema bei mir und meinen Freund*innen. Aber warum können genau diese Art von Hobbys unsere mentale Gesundheit verbessern?


von Hannah Kleibolde

16.07.2026


Volle Reihen, laute Musik und gemeinsames Mitfiebern: Beim Bingo-Abend im Bumann & SOHN treffen sich wöchentlich rund 200 Menschen, um gemeinsam Zeit offline zu verbringen. Foto: Karlotta Hoppe; Rechte Bumann & SOHN
Volle Reihen, laute Musik und gemeinsames Mitfiebern: Beim Bingo-Abend im Bumann & SOHN treffen sich wöchentlich rund 200 Menschen, um gemeinsam Zeit offline zu verbringen. Foto: Karlotta Hoppe; Rechte Bumann & SOHN

Der Begriff grandma hobbies geht seit einiger Zeit auf TikTok viral. Dazu zählen verschiedenste

Handarbeiten und andere Offline-Hobbies. Grandma Hobbies sind Freizeitbeschäftigungen wie Stricken, Häkeln, Backen oder Gärtnern, die lange als altmodisch galten und derzeit vor allem auf TikTok ein Comeback erleben. Für viele junge Menschen stehen sie heute für Entschleunigung, Kreativität und einen bewussten Ausgleich zum digitalen Alltag.

Während im Alltag alles schnell funktionieren muss und eine Informationswelle die nächste jagt, sind es die grandma hobbies, die für viele Menschen Ruhe zurück in den Alltag bringen. Bei einer europaweiten Umfrage von Vodafone gaben über 2/3 der befragten Jugendlichen an, ihre Bildschirmzeit aktiv senken zu wollen. Während damals häufig ein aktiver Nutzen aus den grandma hobbies gezogen wurde, weil man durch die eigene Herstellung Geld sparen konnte, liegt der Fokus heute woanders. Die grandma hobbies sind durch den aktiven Bruch mit dem Alltag besonders beliebt. Heute stehen weniger der praktische Nutzen als vielmehr Entspannung, Kreativität und Gemeinschaft im Vordergrund.


Eine neue Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigt zudem, dass sich, auch einige Jahre nach der Pandemie, etwa jede fünfte Person der 21 bis 30-Jährigen stark einsam fühlen. Hier könnten Handarbeitsclubs oder andere analoge Veranstaltungen einen Ausweg aus der Einsamkeit darstellen, die dazu einladen gemeinsam offline zu sein. So kann man sich durch die Hobbies auch mit anderen Menschen vernetzen und nicht selten entstehen auch echte Freundschaften.


Doch nicht nur Handarbeiten erleben ein Comeback. Auch analoge Freizeitangebote, die Menschen zusammenbringen, gewinnen an Beliebtheit. So auch der wöchentliche Bingo Abend in der Kölner Bar Bumann & SOHN. Seit Ende 2024 kann man hier Bingo spielen, ein bis fünf Kölsch trinken und mit seinen Freund*innen zu 2010er Liedern tanzen und mitsingen. Häufig entwickelt sich nach dem Spiel dann noch eine ausgelassenen Party.


"Genau diese Mischung aus Spiel, Entertainment und Clubatmosphäre macht das Format besonders", meint Tobias Breit vom Bumann & Sohn Team.

Wöchentlich treffen sich in der Bar etwa 200 Besucher*innen und spielen gemeinsam das altbekannte Spiel. "Der Austausch mit den anderen Mitspieler*innen und der lockere Moderator Freddy sind eine angenehme Abwechslung für viele", erklärt Breit.


Obwohl der Abend hauptsächlich an die Bedürfnisse von jüngerem Publikum angepasst ist, finden sich am Bingo-Abend die unterschiedlichsten Menschen ab 18 Jahren zusammen und verbringen den Abend gemeinsam. Studien deuten darauf hin, dass handwerkliche Offline-Aktivitäten wie Stricken das psychische Wohlbefinden fördern und kurzfristig Stress sowie Anspannung reduzieren können. Stricken wird dabei häufig als Coping-Strategie beschrieben, die Menschen bei der Emotionsregulation und Stressbewältigung unterstützen kann. Allerdings ist die Studienlage hinsichtlich langfristiger Effekte noch begrenzt.


Sie sind eine Form der Selbstfürsorge. Denn schon seit Langem wissen wir, dass die erhöhte Nutzung Smartphones und die ununterbrochene Erreichbarkeit eine Art Dauerstress-Zustand in uns auslöst - dennoch ist es schwierig von der Sucht loszukommen. Daher sind die grandma hobbies eine gute Alternative, um vom sich von dem Stress und der Schnelllebigkeit abzulenken. Denn wenn man die Hände in der Erde, im Brotteig oder voller Wollfäden hat, ist das Greifen zum Smartphone eher schwierig.



Hannah Kleibolde ist 25 Jahre alt und wohnt in Köln. Hier studiert sie Medienwissenschaften und Medienrecht. Nebenbei betreibt sie einen Blog mit eigenen Texten und ist Teil der Chefredaktion des Unimagazins philtrat. 

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