Lothar Matthäus: „Herausforderungen in der Fußballbranche gibt es viele – auf und außerhalb des Platzes."
- Tara Yakar

- 16. März
- 3 Min. Lesezeit
Zwischen Fußballnostalgie und Realität: ‚Ein Sommer in Italien – WM 1990‘, Freundschaft auf dem Spielfeld und die fortbestehenden Probleme von Sexismus und Homophobie
Zwischen Pasta, Wein und Weltmeistertitel: „Ein Sommer in Italien – WM 1990“ zeigt die Fußballweltmeisterschaft 1990 aus der Perspektive der deutschen Nationalelf unter Teamchef Franz Beckenbauer und veröffentlicht dabei bislang unbekannte Privataufnahmen von den Spielern selbst. Ein Dokumentarfilm, der abgesehen vom Fußball auch von Freundschaft und der Wiedervereinigung Deutschlands erzählt. Der ehemalige Kapitän Lothar Matthäus erzählt dem KULTURA MAGAZIN von den Herausforderungen in der Fußballbranche und davon, wie Social Media sie beeinflusst.
16.03.2026
von Tara Yakar

Unter Hamburgs grauer Wolkenpracht tummeln sich Fußballfans aus jeder Altersklasse am Rand vom grünen Teppich. Auch das typische norddeutsche Schietwetter hält Fußballbegeisterte nicht davon ab, sich auf die Jagd nach Autogrammen und Schnappschüssen zu machen. „Lothar, Lothar, kannst du auf meinem Trikot unterschreiben?“, schreit ein Kind aufgeregt von der Seite und streckt das alte Deutschland-Fußballtrikot stolz in die Luft.
“Das Privatleben leidet darunter, dass man ständig beobachtet wird.”
Die Produktionsfirma B | 14 FILM GmbH bringt in Koproduktion mit TOBIS und Sky mit „Ein Sommer in Italien – WM 1990“ ein Stück Nostalgie und Sommergefühle auf die Leinwand zurück. Eine Doku nur für Fußballbegeisterte? Nicht unbedingt. Regisseurinnen Vanessa Goll, Nadja Kölling und Produzenten Benjamin Seikel beleuchten auch, wie der WM‑Sieg nach der Wiedervereinigung Deutschlands für viele ein verbindendes Wir‑Gefühl zwischen Ost und West darstellte. Auch tiefe Freundschaften und Emotionen finden Platz im Film.
Doch in der Realität werden in der Fußballbranche Emotionen oft unterschiedlich behandelt, abhängig vom Geschlecht und Sexualität: Freude und große Gefühle bei Toren sind okay, aber nicht, wenn ein Schiedsrichter einem anderen Mann einen Heiratsantrag macht. Schiedsrichter Pascal Kaiser hat erst kürzlich nach seinem Antrag im Stadion des 1. FC Köln mehrfache Drohungen erhalten und wurde von Unbekannten in seinem Vorgarten attackiert und verletzt.
„Herausforderungen gibt es viele – auf und außerhalb des Platzes. Die Sicherheit im Stadion, die Erwartung von den Fans. Das kann ich in dem kurzen Interview gar nicht alles aufzählen“, meint auch Matthäus.

Manche Herausforderungen bestehen schon seit 1990, manche sind neu dazugekommen: „Früher gab’s noch kein Social-Media. Da gab’s noch nicht einmal Handys. Wir haben gerade angefangen einen Motorroller zu haben, das war dann schon Luxus – aber eben ohne Kameras“, erklärt Matthäus. So verändert sich zwangsläufig auch die Außendarstellung von Fußballer*innen heutzutage.
„Damals vor 30, 40 Jahren konnte man sich noch ein wenig unbekannter auf den Straßen bewegen. Das ist heutzutage nicht mehr so. Das Privatleben leidet darunter, dass man ständig beobachtet wird“, gesteht der ehemalige Kapitän der Nationalmannschaft.
Laut dem Anti-Diskriminierungsverband Kick It Out nahmen ebenfalls sexistische Inhalte online um 72 % zu und es gab mehrere Meldungen über sexistische Gesänge bei Spielen. Die Fußballbranche ist noch weit von Gleichberechtigung entfernt, doch "Ein Sommer in Italien – WM 1990" zeigt, wie harte Arbeit, Teamgeist und Zusammenhalt belohnt werden. Ein Denkanstoß auch für die heutige Fußballwelt.
„Ein Sommer in Italien – WM 1990“ startet am 19. März 2026 in den deutschen Kinos. Regie führten Vanessa Goll und Nadja Kölling. Der Film dauert 93 Minuten. Neben Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann, Rudi Völler und Bodo Illgner sind auch weitere Spieler der ehemaligen Nationalmannschaft zu sehen. Der Dokumentarfilm wird vor der Fußball‑WM 2026 exklusiv beim Bezahlsender Sky und über den Streamingdienst WOW ausgestrahlt.



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