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"Es gibt einfach Momente, in denen man sich allein fühlt."

  • Tara Yakar
  • 3. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Stunden

Jung, gutaussehend und erfolgreich: Die Elevator Boys verkörpern genau das, wonach sich viele junge Männer sehnen. Trotzdem kennen auch sie das Gefühl von Einsamkeit und die Konfrontation mit Männlichkeitsidealen. Was der Boyband bei Einsamkeit hilft und was sie mit

Verletzlichkeit und Männlichkeitsbildern zu tun hat, erklären sie im Interview.


von Tara Yakar

03.10.2025


 Die Elevator Boys: Das sind (v.l. n.r.) Bene Schulz, Tim Schäcker, Jacob Rott, Luis Freitag und Julien Brown. 2021 wurden sie mit ihren Tik-Tok-Clips und flirtenden Blicken in die Kamera weltbekannt. Seit zwei Jahren machen sie auch Musik.                      Foto: Johannes Kapol
Die Elevator Boys: Das sind (v.l. n.r.) Bene Schulz, Tim Schäcker, Jacob Rott, Luis Freitag und Julien Brown. 2021 wurden sie mit ihren Tik-Tok-Clips und flirtenden Blicken in die Kamera weltbekannt. Seit zwei Jahren machen sie auch Musik. Foto: Johannes Kapol


Männlichkeit im Wandel


Vom Versorger zum Verlierer: Über die Rolle des Mannes in der Gesellschaft kursieren unzählige Meinungen. Männer und Verletzlichkeit? Für viele scheint das nach wie vor nicht zusammenzupassen. Obwohl immer mehr Männer ihre Gefühle offen zeigen können, stoßen viele trotzdem auf Abweisungen – es sei denn, sie können ihre Verletzlichkeit durch Attraktivität ausgleichen. Die Elevator Boys berichten im Interview, wie traditionelle Männlichkeitsbilder ihr Bild von Schwäche geprägt haben und wie Attraktivität damit zusammenhängen kann.


Jacob, Bene, Tim, Julien und Luis, ihr betont immer wieder eure enge und vertrauensvolle Freundschaft. Fühlt ihr euch trotzdem manchmal einsam?

Julien: Ja, das passiert auch manchmal, ist aber auch total normal. Egal ob man einen riesigen Freundeskreis hat oder nur ein paar richtig enge Freunde: Es gibt einfach Momente, in denen man sich allein fühlt. Gerade in einer Welt, in der vieles digital stattfindet, kann sich dieses Gefühl manchmal einschleichen, ohne dass man’s direkt merkt.


Was hilft euch in solchen Momenten?

Luis: Manchmal reicht es einfach, zusammen abzuhängen, ohne dass viel gesagt werden muss. Aber wenn einem etwas auf dem Herzen liegt, hilft es wirklich, es auszusprechen. Was wir gelernt haben: In sich reinzufressen bringt gar nichts! Kommunikation ist nicht immer einfach, aber sie macht’s fast immer besser.


Auch in ihren Songs singen die Elevator Boys offen über ihre Emotionen und Gefühle.



Wie genau hilft euch eure Freundschaft dabei, das Gefühl von Einsamkeit zu reduzieren?

Jacob: Wir reisen zusammen, haben zusammen in einer WG gelebt und kennen uns in- und auswendig. Man weiß einfach: Da ist jemand, der dich versteht, auch wenn du nicht alles erklären kannst. Viele Menschen wünschen sich genau so eine Freundesgruppe.


Was könnt ihr Menschen mitgeben, die sich nach tiefen Freundschaften sehnen, aber nicht wissen, wie sie solche Verbindungen aufbauen können?

Tim: Auf Social Media gibt’s so viele Nischen, da kann eigentlich jeder seine Community finden. Und inzwischen gibt’s auch viele Formate, die dafür sorgen, gemeinsame Interessen aus dem Online-Bereich wieder ins echte Leben zu bringen. Ich glaube, der beste Weg, neue Leute kennenzulernen, ist über Interessen, die man teilt. Egal, ob es das Laufen, das Töpfern oder etwas ganz anderes ist. Um tiefe Freundschaften aufzubauen, ist es vor allem wichtig, Gefühle und eigene Verletzlichkeit zu zeigen: Etwas, was von vielen Männern immer noch mit Schwäche gleichgesetzt wird.


Welche Botschaft habt ihr für Männer, die denken, Gefühle zu zeigen sei ein Zeichen von Schwäche?

Bene: Stärke bedeutet nicht, immer alles im Griff zu haben, sondern eher zu wissen, wann man Hilfe braucht und sich das einzugestehen. Wer Schwäche zeigen kann, hat verstanden, dass das kein Widerspruch zu Stärke ist, sondern ein Teil davon.


Hat sich denn euer eigenes Bild von Männlichkeit über die Jahre verändert?

Jacob: Ja, auf jeden Fall. Wir haben in den letzten Jahren viel mehr über Männlichkeit gelernt – auch, weil sich der Diskurs in der Gesellschaft verändert hat. Dinge, die früher als „männlich“ galten, werden heute hinterfragt. Wir sind mit dem Lernprozess auch noch lange nicht am Ende.




Was hat diesen Wandel ausgelöst?

Julien: Vieles kam durchs Reisen, durchs Arbeiten mit verschiedenen Menschen. Aber ich glaube, es reicht auch, einfach mal den eigenen Horizont zu erweitern – sich mit Themen zu beschäftigen, die man nicht kennt, oder Menschen zuzuhören, die ganz andere Lebensrealitäten haben. Man muss dafür nicht um die Welt reisen.


Was müsste sich eurer Meinung nach ändern, damit auch Männer mehr über ihre Gefühle sprechen können?

Luis: Ich bin auf jeden Fall auch noch mit Superhelden- und Actionfilmen groß geworden, in denen Männer immer stark, laut und unverwundbar waren. Aus dem Fußballverein kennt man das auch. Da geht’s eher ums Durchziehen als um Deeptalk (dt. tiefgründige Gespräche) über Gefühle. Man lernt ziemlich früh, dass man Stärke zeigen soll, nicht Unsicherheit. Ich denke, es hilft total, dass es heute so viel mehr Vorbilder gibt, die zeigen, dass es auch anders geht. Und: Übung. Es fühlt sich anfangs vielleicht komisch oder unbeholfen an, über Gefühle zu sprechen, aber irgendwann wird’s normal. Und es macht vieles definitiv einfacher.


Ihr macht genau das: Zeigt euch offen und sprecht über Unsicherheiten. Gleichzeitig werdet ihr aber auch von vielen als Idealbild von Männlichkeit wahrgenommen: gutaussehend, erfolgreich, selbstbewusst. Muss man sich Verletzlichkeit leisten können?

Bene: Ich verstehe total, wo solche Gedanken herkommen. Die Unterhaltungsbranche auf Social Media lebt davon, perfekte Bilder zu zeigen. Und Traumwelten und Eskapismus [das Bedürfnis, der Realität zu entfliehen] können ja auch total Spaß machen. Aber natürlich führt kein Mensch ein perfektes Leben. Ich glaube, es hilft total, wenn man Männlichkeit nicht als Frage von Aussehen oder Beliebtheit sieht, sondern als eine Haltung. Für mich geht es um Verantwortung, um Werte und um Respekt für sich selbst und für andere. Sich verletzlich zu zeigen, heißt nicht, schwach zu sein. Im Gegenteil: Es zeigt total Stärke, wenn man zu sich steht. Auch zu den Teilen, die nicht perfekt sind. Das hat nichts mit „leisten können“ zu tun. Das ist eine Entscheidung.



Der restliche Artikel ist im kostenlosen Magazin Gemeinsam Einsam zu finden, das im Rahmen des Ideenpreises „Spotlight Jugend“ umgesetzt wurde. Der Ideenpreis wurde von der Jugendpresse Deutschland e.V. im Rahmen einer Zuwendung durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt.

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