„Gehälter, die nicht im Verhältnis zu einer 40-Stunden-Woche stehen“: Ludger Bökelmann über die Bezahlung in der Schauspielbranche

Ludger Bökelmann, bekannt aus Die Discounter und Dark, spielt in der neuen ZDF-Serie Die Düsteren den Inselpolizisten Till. Im Gespräch erzählt der Schauspieler, warum er nichts bereut, weshalb ihm Freundschaften außerhalb der Filmbranche wichtig sind und wie er den Umgang mit den teils hohen Gehältern in der Schauspielbranche sieht.
18.10.2026
von Tara Yakar

Ludger, viele kennen dich aus Die Discounter, einem Format, das stark von Improvisation lebt. Die Düsteren ist dagegen deutlich psychologischer und düsterer angelegt. Was war für dich die größte Herausforderung beim Dreh?
Der Charakter an sich war eine kleine Herausforderung für mich, weil Till so ein netter Typ ist und ich ihn nicht langweilig darstellen wollte. Außerdem wurde viel mit CGI gemacht, deswegen war es schwierig, sich in der Szene vorzustellen: Ah, da kommen jetzt die Möwen runter oder so. Insgesamt war der Dreh gut und hat viel Spaß gemacht.
Die Serie fragt auch, wer wir wären, wenn wir andere Entscheidungen getroffen hätten. Wo wärst du heute, wenn du nicht Schauspieler geworden wärst?
Hätte, hätte, Fahrradkette, das ist immer die Frage. Mein großer Bruder hat eine Zimmermannsfirma, wahrscheinlich hätte ich da angefangen zu arbeiten. Oder ich wäre Koch geworden.
Kommt das für dich immer noch infrage?
Plan A ist auf jeden Fall die Schauspielerei, aber als Hobby kann ich mir gut vorstellen, etwas in die Richtung zu machen. Man weiß nie in dem Business, vielleicht ist es auch eines Tages vorbei mit der Schauspielerei und dann wäre das wieder eine Option.
In der Serie geht es auch um die Frage, welche Entscheidungen unser Leben verändern können. Gab es bei dir schon mal einen Moment, in dem du im Nachhinein froh warst, einem Impuls nicht nachgegeben zu haben?
Nein, ich bin im Reinen mit meinen Entscheidungen. Klar habe ich an der einen oder anderen Stelle mal impulsartig gehandelt, aber insgesamt bereue ich nichts.
Wann hast du denn impulsartig gehandelt?
Damals, als ich noch ein kleiner Scheißer war, mit 11. Da hat mich meine Mutter gefragt, ob ich mich mal für eine Schauspielrolle vorstellen will – aber das kann ich eigentlich auch nicht zählen.

In deiner Rolle als Peter in Die Discounter musstest du auf jeden Fall öfter impulsartig handeln. Würdest du sagen, dass du Peter oder Till ähnlicher bist?
Ich würde sagen, ich bin ein gesunder Mix aus beiden. Schon eher Till, aber ich habe auch so das Rotzige von Peter, kommt immer auf meinen Modus an. Peter ist am Ende ja auch eigentlich ein Süßer.
Ein bisschen Rotzigkeit kann in der Filmbranche vielleicht auch gar nicht schaden. Du hast mal erwähnt, dass dich dein Berliner Freundeskreis außerhalb der Branche erdet. Warum ist dir das wichtig?
Es gibt viele Leute, die nur in der Film-Bubble hängen. Ich glaube aber, es ist gut, auch außerhalb der Bubble andere Lebensrealitäten wahrzunehmen. Wenn es gut läuft in der Schauspielerei, werden Gehälter gezahlt, die nicht im Verhältnis stehen zu dem, was jemand anderes verdient, der eine 40-Stunden-Woche durchkloppt. Außerdem gibt es in der Branche manchmal auch Leute, die sind mit einem gut, solange man erfolgreich ist, und wenn es dann nicht mehr gut läuft, weiß man nicht, ob die Leute immer noch gut mit einem wären. Meine Freunde waren schon meine Freunde, bevor ich Erfolg hatte, und werden es auch danach sein. Das gibt mir Sicherheit.
Die Schauspielbranche lebt stark von Bewertung und Konkurrenz. Was empfindest du daran als besonders schwierig?
Dass man manchmal nicht weiß, wer einen wirklich mag und wer nicht. Aber als weißer junger Mann habe ich da natürlich eine einfache Perspektive. Es gibt definitiv andere Dinge, die viel zu kurz kommen, wie PoCs oder Frauen.
Die Branche spricht ebenfalls viel über Vielfalt und neue Perspektiven. Wo glaubst du, ist sie tatsächlich weitergekommen?
Was ich persönlich bemerkt habe, ist, dass es so vor sieben, acht Jahren noch eine krasse Hierarchie gab und ein Regisseur wegen jeder Sache ausgetickt ist. Es gab auch mehr Schauspielende, die dachten, sie wären was und müssten andere degradieren. Mittlerweile ist das anders und ich habe mehr Bock, mehr mit Leuten zusammenzuarbeiten, die entspannt sind. Wenn die Stimmung am Set gut ist, merkt man das auch im Endprodukt. Außerdem gibt es mittlerweile mehr Frauen in den Technikdepartments, was ich richtig gut finde. Aber man ist natürlich trotzdem immer noch lange nicht da, wo man hinmöchte.
Wenn du eine Sache in der Schauspielbranche ändern könntest, welche wäre es dann?
Dass man öfter jungen Leuten Verantwortung gibt, die vielleicht auch noch nicht so viel Erfahrung haben. Hat man bei Die Discounter gesehen, dass das gut funktioniert. Es geht in der Branche oft nach Rang und Namen, und dann finde ich es cool, wenn man eben auch Jüngeren eine Chance gibt. Junge Leute sind eben am Zahn der Zeit.
Du wünschst dir mehr Offenheit für neue Perspektiven in der Branche. Wie sieht es bei dir persönlich aus: Gibt es eine Seite an dir, die die meisten wahrscheinlich nicht erwarten würden?
Boah, schwierig, das über sich selbst zu sagen. Vielleicht denken sich manche Leute: Der ist erfolgreich und groß, der muss arrogant sein. Eigentlich bin ich aber ein sehr bodenständiger, chilliger Typ. Oder vielleicht, dass ich unfreundlich bin, wenn ich auf der Straße in unpassenden Momenten angesprochen werde und nicht wie ein Honigkuchenpferd reagiere.
Passiert sowas häufig?
Ja, auf jeden Fall. Ich werde seit Die Discounter täglich angesprochen. Wenn ich jetzt zum Beispiel mit meiner Mutter essen will, will ich keine Fotos machen. So wie Leute mir kommen, komme ich ihnen auch. Letztens stand ich mit so vielen Sachen im Supermarkt und war am Schwitzen wie ein Schwein, und dann wollte jemand ein Foto machen. Das wollte ich dann nicht. So ist das manchmal und ich hoffe da auf Verständnis.
Auf Social Media kann das schnell anders ankommen. Wie gehst du damit allgemein um?
Man merkt schon, dass eine Social-Media-Präsenz gern gesehen wird. Ich verbringe selbst viel Zeit auf Social Media, aber bin nicht so gut darin, selbst Sachen zu posten. Ich bin da eher ein Digital Boomer und kann nicht so gut ästhetische Bilder hochladen.
Mittlerweile sind auch oft Influencer bei Produktionen mit dabei.
Wenn das kleinere Rollen sind, ist das ja auch noch okay, aber bei größeren Rollen, die von Influencern besetzt werden, wirkt das dann schon ein bisschen schräg. Es gibt so viele talentierte Menschen, die dann gar nicht die Chance bekommen, weil sie nur 200 Follower haben und nicht 100.000. Das wird vermutlich auch demnächst nicht besser, oder?

Tara Yakar arbeitet als freie Journalistin, studiert Psychologie und leitet als Chefredakteurin das KULTURA MAGAZIN. Für ihr Magazinprojekt „Gemeinsam Einsam“, das sich mit gesellschaftlicher Einsamkeit auseinandersetzt und ihr entgegenwirken möchte, wurde sie 2024 mit dem Spotlight Jugendpreis der Jugendpresse Deutschland e. V. und des Bundesministeriums für Bildung, Familien, Senioren, Frauen und Jugend ausgezeichnet.


