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Dilara Aylin Ziem: „Ich habe Angst, aber mache es trotzdem.“

  • Autorenbild: Selina Öztürk
    Selina Öztürk
  • 31. März
  • 4 Min. Lesezeit

Die Schauspielerin über Konkurrenzverhalten und Leistungsdruck innerhalb der deutschen Filmbranche


Die gebürtige Berlinerin macht 2019 ihr großes Debüt in der deutschen Schauspielwelt – und das mit gerade mal 16 Jahren als eine der Hauptrollen in Karoline Herfurths Kinofilm „Wunderschön“ (2022). In einem Interview mit dem KULTURA MAGAZIN spricht sie erstmalig über ihre Erfahrungen mit dem Konkurrenzverhalten und dem Leistungsdruck, die mit der deutschen Medienbranche einhergehen.


von Selina Öztürk

31.03.2026


Mit ihrer letzten großen Rolle als Leyla Kocaoğlu der RTL+-Jugendserie „Euphorie“ untermauert Dilara Aylin Ziem die Vielfältigkeit ihres Talents. Foto: Clara Renner 
Mit ihrer letzten großen Rolle als Leyla Kocaoğlu der RTL+-Jugendserie „Euphorie“ untermauert Dilara Aylin Ziem die Vielfältigkeit ihres Talents. Foto: Clara Renner 

Bereits im Kindesalter bemerkte Ziem ihr stetiges Interesse an der Schauspielerei und auch ihr Umfeld erkannte die Leichtigkeit, mit der sie ihre Texte auswendig lernte und verschiedene Emotionen überbrachte. Zu Beginn – erzählt uns Ziem – fiel es ihren Eltern schwer, sich an den Gedanken der Schauspielerei innerhalb der ihnen unbekannten deutschen Filmbranche zu gewöhnen. Bald schon aber bekam Ziem sie überredet. Heute würde sie ihren Aufstieg im Beruf mit den goldenen drei Wörtern

„Glück“, „Aufregung“ und „Leidenschaft“ beschreiben.


Das Konkurrenzverhalten ist sehr stark. Es geht immer darum, wer wen kennt und wer was mit wem gedreht hat. Je erfolgreicher die Schauspieler*innen aber waren, desto bodenständiger waren sie auch. Ich habe auch mit Leuten hinter der Kamera geredet und sie meinten, dass insbesondere junge Darsteller*nnen oftmals die unfreundlicheren sind, weil sie eben auf einen Schlag so viel Aufmerksamkeit bekommen und ihren Bezug zur Realität verlieren."

Dilara, in der Jugendserie „Euphorie“ spielst du eine junge Rolle in einer Crew mit Gleichaltrigen: Ist die Stimmung am Set mit einer gemeinsamen Altersklasse tendenziell entspannter oder kommen mehr Spannungen im Team auf?

Wir waren 8 Hauptdarsteller*innen, alle zwischen 22 und 26 Jahren. Ich habe auch schon an Sets gedreht, wo ich viel jünger war als die anderen Schauspieler*innen. Sie waren älter, hatten mehr Erfahrung – da bekam ich das Gefühl, man wäre nicht immer ganz auf Augenhöhe, auch wenn das so nie gesagt wurde.

Bei Euphorie hatten wir alle ähnliche Erfahrungen, ähnliche Rollen zu spielen, da war keine Differenzierung dabei. Wir haben über den langen Drehzeitraum super viel Zeit miteinander verbracht. Wir haben uns alle super verstanden und auch nie gestritten, aber ich habe gemerkt, dass wir nach den Dreharbeiten erstmal Abstand voneinander brauchten. Mit den intensiven Drehtagen wurde es dann doch too much, aber umso schöner war dann auch das erste Wiedersehen.


Inwiefern macht sich durch Casting und Social-Media ein Konkurrenzverhalten in der Welt der Schauspielerei bemerkbar?

Das Konkurrenzverhalten ist sehr stark. Es geht immer darum, wer wen kennt und wer was mit wem gedreht hat. Je erfolgreicher die Schauspieler*innen aber waren, desto bodenständiger waren sie auch.

Ich habe auch mit Leuten hinter der Kamera geredet und sie meinten, dass insbesondere junge Darsteller*innen oftmals die unfreundlicheren sind, weil sie eben auf einen Schlag so viel Aufmerksamkeit bekommen und ihren Bezug zur Realität verlieren.

Aber trotzdem habe ich auch mit Leuten in meinem Alter super Freundschaften knüpfen können. […] Vieles in unseren Leben dreht sich nun mal um unsere Berufe. Deswegen ist es dann auch umso wichtiger, mit diesen Freund*nnen den Ausgleich zu finden und zu sagen: ‚Lass mal nicht so viel über unsere Arbeit sprechen‘. Es passiert nämlich ganz schnell, dass man sonst anfängt, sich mit seiner Arbeit zu definieren und wenn man mal nicht arbeitet, fühlt man sich dann schlecht.




„Ich bin alles, aber kein Star. Ich muss mein Studium irgendwie abschließen. Schauspiel ist kein sicherer Job.“



Du bist nicht ausschließlich Schauspielerin. Gleichzeitig studierst du, pflegst dein Sozialleben mit Freund*nnen, Familie und Co. In welchen Situationen kommt bei dir Leistungsdruck auf?

Vor allem in der Uni. Vor zwei Jahren hatte ich einen Nachtdreh in Leipzig und bin dann direkt mit der Bahn nach Berlin zur Uni gefahren, weil ich noch einen Vortrag hatte. Ich wollte meine Kommiliton*innen nicht im Stich lassen, wollte auch unbedingt das Seminar bestehen und das stresst dann alles natürlich. Auch, wenn ich merke, wie ich durch Drehs hinterherhänge und so viel weniger Credits habe als meine Freund*nnen, macht das was mit mir. Es ist einfach super schwierig, zwei Sachen auf einmal zu machen.


Ziem erzählt zudem von einer weiteren Situation, in der ihre Welten der Schauspielerei und des Studiums kollidierten. Nach einer ihrer unzähligen Nachtdrehs für Euphorie, welche nicht nur physisch, sondern auch emotional sehr fordernd und auslaugend waren, setzte sie sich ohne Pause direkt an das Schreiben der Hausarbeit für eines ihrer Uniseminare.


Am Set kam dann die Frage auf, warum sie diese überhaupt schreibe, wenn sie doch ein Star sei:

„Ich bin alles, aber kein Star. Ich muss mein Studium irgendwie abschließen. Schauspiel ist ja kein sicherer Job.“


Und was hast du langfristig für berufliche und private Pläne?

Schauspiel ist Plan A. Plan B ist Studium fertigmachen und irgendwann in der Presse zu arbeiten, aber ich muss zugeben: Der Gedanke daran bricht mir mein Herz. Manchmal versuche ich, es mir zu romantisieren, aber es ist nicht das, was ich möchte. Jetzt könnte man sagen, ich hätte ja auch Schauspiel studieren können, aber dafür bin ich dann vielleicht doch zu pragmatisch. Ich hatte auch einfach Angst.“


Ziem betont dennoch, dass sie mit jedem Mal dieser Angst entgegenkommt, indem sie trotzdem das macht, wozu ihr Herz sie verleitet: Schauspielern. Auch wenn sie dadurch länger für ihr Studium braucht und der Druck von allen Seiten von Mal zu Mal spürbar ist, steht sie hinter der Entscheidung, ihrer Leidenschaft zu folgen und appelliert auch an die Leser*innen:


„Viele Menschen suchen ihr Leben lang nach einer Bestimmung. Also ist es ein großes Privileg, eine Leidenschaft zu haben. Dem sollte man immer nachgehen.“



Selina Öztürk ist 22 Jahre alt und studiert in Berlin Sprache und Gesellschaft in Kombination mit Publizistik- und Kommunikationswissenschaften. Außerdem beschäftigt sie sich bei futur eins mit konstruktivem Gesellschaftsjournalismus. In der Regel hat sie immer ein Buch und ein Uno-Spielset in ihrer Tasche.

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