"Die Medienbranche ist zeitweise gemein und menschlich nicht fair.“ Steven Gätjen und Bruno Alexander über Rückschläge
- Tara Yakar

- 29. Jan.
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In der Tragikkomödie „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ kämpft nicht nur der junge Joachim Meyerhoff mit großen Hürden auf seinem Weg zum Schauspieler. Auch auf dem roten Teppich der Premiere von Simon Verhoevens Film wurde deutlich: Der Weg zum Erfolg ist selten geradlinig. TV-Moderator Steven Gätjen und Schauspieler Bruno Alexander (Die Discounter) sprechen über Rückschläge, Lücken in der Medienbranche und Küsschen.
von Tara Yakar
29.01.2026

Der Mathäser Filmpalast strahlt voller Glanz und Hektik. Schaulustige tummeln sich um den Premierenbereich herum, ungeduldig wartend auf die ersten Prominenten. Kaum eine Lücke bleibt, um das Blitzgewitter der Kameras zu erhaschen. Wenig später nimmt das Premierenpublikum Platz und folgt Joachim Meyerhoff, gespielt von Bruno Alexander, auf seinem ebenso tastenden wie holprigen Weg zwischen Schauspielschule und den Eigenheiten seiner Großeltern. Eine Geschichte, die vor allem vom Zulassen von Gefühlen und vom Umgang mit Verlust erzählt. Auch TV-Moderator Steven Gätjen blickt an diesem Abend auf seine eigenen Hürden zurück, die seinen Weg in der Medienwelt geprägt haben.
„Ich habe viele Situationen in meiner Karriere erlebt, die ich niemandem wünsche.“
Der 53-jährige TV-Moderator gehört zu den prägenden Gesichtern des deutschen Fernsehens. Mit seiner Präsenz auf roten Teppichen und als Moderator von ProSieben oder Sat.1 wirkt sein Karriereweg heute selbstverständlich. Doch der Weg dorthin war alles andere als einfach: „Das größte Problem ist, dass man jemanden braucht, der an einen glaubt. Ich hatte viele Menschen, die nicht an mich geglaubt haben. Da muss man sich ein dickes Fell aufbauen.“

Auch Bruno Alexander weiß, wie es ist, Projekte eigenständig durchzuziehen, unabhängig davon, was andere davon halten. „Unsere erste Serie, Intimate, durchzuziehen, obwohl nicht alle gesagt haben ‚ist geil‘, war schwierig“, erzählt er. Außerdem wurde er an der Filmhochschule für Regie abgelehnt. „Man muss dann daran glauben, dass man es so doll will, dass man es einfach durchzieht.“
Doch selbst, wer es einmal in die Branche geschafft hat, wird nicht von falschen Versprechungen und Rückschlägen verschont. „Ich habe viele Situationen in meiner Karriere erlebt, die ich niemandem wünsche. Im Nachhinein haben sie mir aber geholfen zu verstehen, wie das Geschäft funktioniert und wie ich am besten arbeite“, erklärt Gätjen. Er erinnere sich an eine Aussage eines Casting-Chefs, der ihm prophezeite, dass aus ihm niemals etwas werden würde. Noch schlimmer habe ihn aber die Doppelmoral eines ehemaligen Chefs getroffen: „Er hat mir aus einer subjektiven Perspektive gesagt, dass ich nichts könne und keine Chance mehr habe. Daraufhin hat er mich in der Öffentlichkeit, aber auch intern ziemlich rund gemacht und mir wurden ein paar Jobs weggenommen. Nach ein paar Jahren habe ich ihn wiedergetroffen, und plötzlich hat er mich über den Klee gelobt.“
Einmal Gefühle bitte
Auch Joachim erfährt in „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" nur begrenzte Unterstützung auf seinem Weg zum Schauspieler. Immer wieder versucht er, sich vor seinen Gefühlen zu drücken, und verdrängt den frühen Unfalltod seines Bruders.

Die Prominenten auf dem roten Teppich erinnern sich an ihre letzten Momente, in denen ganz große Gefühle aufkamen. Gätjen betont, dass er total emotional und nah am Wasser gebaut sei: „Ich lese ein gutes Buch und fang an zu heulen. Das lasse ich dann aber auch einfach zu.“ Eine Lücke, ein Gefühl von Leere, begegnet schließlich den meisten Menschen im Laufe des Lebens. Entscheidend ist, wie man damit umgeht, und manchmal hilft es, die Gefühle bewusst zuzulassen, statt sie zu verdrängen.
Humor bietet vielen Menschen eine Möglichkeit, Herausforderungen und Belastungen zu verarbeiten. Bruno Alexander wünscht sich, dass diesem Ansatz auch in der deutschen Filmlandschaft mehr Raum gegeben wird: „Viele Komödien wollen immer auf Zwang lustig sein. Das empfinde ich manchmal als zu einfach. Oft wächst aus der Ernsthaftigkeit der Humor, und ich hoffe, dass der Film genau das zeigt.“

Humor kann zwar ein Ventil für Schmerz sein, doch gerade eher Männer tun sich manchmal schwer damit, ihre Verletzlichkeit überhaupt zu zeigen. Nach wie vor herrscht in vielen gesellschaftlichen Kreisen das Bild, dass es als „unmännlich“ gilt, zu weinen oder sich emotional zu öffnen. Das muss jedoch nicht sein, zeigt Gätjen: „Vor längerer Zeit haben meine besten Kumpels und ich angefangen, uns auch mal zu umarmen oder ein Küsschen zu geben – das mag ich total gerne.“
Erst wenn man lernt, sich den eigenen Gefühlen zu stellen, statt sie zu verdrängen, eröffnen sich neue Wege. Um Verletzlichkeit zuzulassen und emotional offen zu sein, braucht es weder roten Teppich noch große Leinwand: Es reichen Mut und die Bereitschaft, die eigene Lücke anzunehmen.
„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ startet am 29.01 in den deutschen Kinos. Regie führte Simon Verhoeven auf Vorlage von Joachim Meyerhoffs gleichnamigem autobiografischen Roman. Neben Senta Berger sind auch Bruno Alexander, Tom Schilling, Michael Wittenborn und Karoline Herfurth zu sehen.




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