„Viele Leute glauben mir nicht, dass ich mich viel schäme“: Bruno Alexander übers Scheitern und Leistungsdruck
- Tara Yakar

- 12. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Feb.
Mit seiner Prime-Video-Serie Die Discounter startete Regisseur und Schauspieler Bruno Alexander so richtig durch. Jetzt hat der 26-jährige Hamburger auch seine erste Hauptrolle in Simon Verhoevens Kinofilm "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" ergattert. Im Interview mit KULTURA MAGAZIN spricht er offen über seine Unsicherheiten, den Leistungsdruck in der Filmbranche und darüber, welche Person in seinem Leben er besonders stolz machen möchte.
von Tara Yakar
08.02.2026

Bruno Alexander ist bekannt aus Serien wie „Die Pfefferkörner“ und als Hauptdarsteller Titus in „Die Discounter“. Gemeinsam mit den Zwillingsbrüdern Oskar und Emil Belton war er für Regie und Drehbücher der Amazon Prime-Erfolgsserie verantwortlich. Inzwischen haben die drei gemeinsam mit Max Mattis Harder ihre eigene Filmproduktionsfirma "Kleine Brüder" gegründet. Jetzt spielt er zum ersten Mal auf der Kinoleinwand. Foto: Vincent Müller
Du hast mal erzählt, dass du einen „Kleinen-Bruder-Komplex“ hast. Inwiefern hat sich das jetzt verändert nach deinem ersten Kinofilm?
Ich wollte immer alles auch so gut können wie mein Bruder. Er konnte Dinge immer schneller und dann wollte ich ihm nacheifern. Das ist immer noch so in mir drin, dass ich ihn stolz machen möchte. Mein Bruder hat den Film aber tatsächlich noch gar nicht gesehen, weil er noch nicht in Deutschland ist. In dem Film geht es auch ein bisschen um das Thema, Lücken immer schließen zu wollen, und dass man jemand sein möchte, der man noch nicht ist. Und so ist das bei mir auch: Ich habe ein Ziel erreicht und will dann das nächste. Man will immer höher springen. Ich glaube, ich sollte lernen, die Dinge im Moment zu genießen und nicht immer zu denken: So mache ich als Nächstes jemanden stolz. Wenn man immer nur von einem Ziel zum nächsten eifert, wird die Lücke nie geschlossen.
Wenn ständig ein neues Ziel wartet und Stillstand kaum vorgesehen ist – wie gehst du in dieser Branche mit dem dauernden Leistungsdruck um?
Leistungsdruck empfinde ich von außen gar nicht so sehr. Ich mache mir den eher selbst. Zum Beispiel bei Die Discounter: Dort haben wir viele positive Rückmeldungen bekommen und dann haben wir uns schon Druck gemacht, den Fans bei Staffel 2 gerecht zu werden. Aber das ist auch kein starker Druck, das ist aushaltbar. Ich will mir keinen Druck machen, dass ich etwas leisten muss. Aber die Sachen, die ich mache, will ich gut machen.
Um gut zu schauspielern, hilft es, schnell seine Scham abzulegen. Gibt es in deinem Alltag trotzdem noch Situationen, die dich verunsichern?
Auf jeden Fall, die ganze Zeit eigentlich. Viele Leute glauben mir nicht, dass ich mich viel schäme, durch unsere Serien Intimate und Die Discounter. Bei Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke habe ich mich während des Spielens manchmal wirklich geschämt. Bei einer Monologszene war das richtig schlimm, weil über 200 Komparsen zugeschaut haben und ich keine Schauspielausbildung absolviert habe. Durch meine fehlende Schauspielausbildung habe ich nie gelernt, auf Knopfdruck gut zu schauspielern. Deswegen komme ich wahrscheinlich schneller ins sich schämen.
Was nimmst du emotional aus dem Film mit?
Ich bekomme mega viele Nachrichten von Leuten, die sagen, dass sie voll viel aus dem Film mitnehmen konnten, was mich total freut! Was ich persönlich aus dem Film mitnehmen konnte, ist, dass ich versuchen will, immer mehr die Scham vor dem Scheitern abzulegen. In einer Szene musste ich singen und habe mich so geschämt, aber dann dachte ich mir: Scheiß drauf. In dem Moment, als ich mich davon befreit habe, was alle anderen denken, ist die Szene dann auch ganz anders, viel besser geworden. Man geht oft lieber auf Nummer sicher, aus Angst vorm Scheitern. Ich denke, man muss lernen, das abzulegen: Dinge erst gar nicht zu versuchen, weil man sich schämt. Irgendwie versuchen, mehr darauf zu scheißen, was andere Leute denken.
Hast du da ein konkretes Beispiel aus deinem Leben?
Ja, zum Beispiel damals, als wir die ersten Entwürfe von Intimate bei YouTube veröffentlicht haben, meinten viele Leute, dass die richtig scheiße seien. Da habe ich mich dafür geschämt, dass andere Leute die Serie schlecht geredet haben. Aber wir hatten uns gegenseitig als Gruppe und haben die Scham dadurch aufgefangen. Letztendlich muss man sich einfach Leute suchen, mit denen man sich zusammen schämen kann. Vielleicht bringt einen auch genau das weiter, wofür man sich am meisten schämt.
„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ startete am 29.01 in den deutschen Kinos. Regie führte Simon Verhoeven auf Vorlage von Joachim Meyerhoffs gleichnamigem autobiografischen Roman. Neben Senta Berger sind auch Bruno Alexander, Tom Schilling, Michael Wittenborn und Karoline Herfurth zu sehen.




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