Coming-of-Age-Filme: Wie sie unsere Vorstellungen vom Erwachsenwerden verzerren
- Basma Ahmad
- 1. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Von idealisierten Teenagererfahrungen über unrealistische Erwartungen: Wie Coming-of-Age-Filme das Weltbild junger Menschen prägen
„Wir lesen und schreiben Gedichte nicht nur so zum Spaß, wir lesen und schreiben Gedichte, weil wir zur Spezies Mensch zählen, und die Spezies Mensch ist von Leidenschaft erfüllt. Und Medizin, Jura, Wirtschaft und Technik sind zwar durchaus edle Ziele und auch notwendig, aber Poesie, Schönheit,
Romantik, Liebe, sind die Freuden unseres Lebens.“ Ein Zitatvon Mister Keating aus dem Coming-of-Age Film Dead Poets Society. Wie in vielen anderen Filmen aus diesem Genre wird Jugendlichen das Erwachsensein nähergebracht. Coming-of-Age Filme erzeugen dabei nicht nur bestimmte Vorstellungen vom Erwachsenwerden, sondern vermitteln besonders Druck.
01.04.2026
von Basma Ahmad

Coming-of-Age-Filme greifen eine Vielzahl jugendlicher Erfahrungen auf: Sie zeigen, wie Teenager zum ersten Mal feiern, mit Drogen experimentieren oder erste romantische und sexuelle Beziehungen erleben. Das sind alles Momente, durch die sie sich ein Stück erwachsener fühlen. Solche Themen offen anzusprechen ist wichtig, denn die Zielgruppe befindet sich in einer Phase, in der sie entdeckt, dass über Gefühle, Sehnsüchte und Grenzen gesprochen werden darf. Gleichzeitig prägen diese Darstellungen jedoch ein bestimmtes Bild davon, wie das Erwachsenwerden aussehen sollte.
“Studien zeigen, dass in Filmen nur 24,2 % der Frauen berufstätig dargestellt werden, während es in der Realität 45,9 % sind."
Obwohl Filme oft suggerieren, dass Drogenkonsum oder frühe sexuelle Erfahrungen „cool“ seien, zeigen Studien ein anderes Bild: Jugendliche werden heutzutage immer später sexuell aktiv und
auch der Drogenkonsum scheint bei Jugendlichen zwischen 12-17 Jahren nicht zu anzusteigen.
Außerdem beinhalten Coming-of-Age-Filme oft bestimmte Botschaften: In The Breakfast Club (1985) wird der Außenseiterin ein Umstyling verpasst und plötzlich wird sie akzeptiert. Was früher „normal“ war, wirkt plötzlich komisch. So können Filme bei Jugendlichen Druck erzeugen, sich auf bestimmte Weise zu verhalten oder zu kleiden.
Stereotype und Rollenbilder
Jugendliche fangen an stereotypische Geschlechterrollen verzerrt wahrzunehmen. So zeigen Studien, dass in Filmen nur 24,2 % der Frauen berufstätig dargestellt werden, während es in der Realität 45,9 % sind. Solche Fehldarstellungen können Realitätsferne erzeugen und Vorurteile verstärken.
Coming-of-Age-Filme dienen aber auch als kultureller Spiegel. Sie fordern Stereotype heraus, bieten Repräsentation für unterrepräsentierte Stimmen und ermöglichen Identifikation. Beispiel: Filme wie Love, Simon helfen jungen Menschen, sich mit Themen wie Selbstakzeptanz und Sexualitätsfindung auseinanderzusetzen.
Viele Menschen haben Angst vor dem Erwachsenwerden. Der Beginn dieses Lebensabschnitts bedeutet Verantwortung und Arbeit. Coming-of-Age-Filme machen Mut, sich auf diesen Abschnitt einzulassen. Sie zeigen neue Freundschaften, das Erreichen von Träumen und oft ein sorgloseres Leben als erwartet.
Obwohl unrealistische Erwartungen entstehen können, helfen diese Filme Jugendlichen, die oft unvorbereitet in diese Phase starten. Sie zeigen die schönen Seiten des Erwachsenseins und prägen so das Weltbild junger Menschen.
Coming-of-Age-Filme sind mehr als Unterhaltung: Sie formen Werte, Erwartungen und Wahrnehmungen. Sie zeigen, dass Erwachsenwerden auch für Chancen, Freude und Selbstfindung stehen kann und dass es normal ist, Fehler zu machen und sich selbst zu entdecken.
Gastautorin Basma Ahmad ist 17 Jahre alt und Schülerin an einem beruflichen Gymnasium mit Schwerpunkten in Wirtschaft und Englisch. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich gerne mit Büchern, Filmen, sowie mit dem Schreiben.



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