„Sirens Call“: Große Ambitionen, die sich im Rauschen verlieren
- Tara Yakar

- vor 24 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Ein Film, der viel will und dabei erstaunlich wenig greifbar macht. "Sirens Call", gezeigt im Rahmen des "Internationalem Frauen Film Fest" 2026 im Filmforum NRW, widmet sich großen Themen wie Protestkultur und die Suche nach Orientierung in einer zerrissenen Gegenwart. Doch was als vielschichtiges Porträt angelegt ist, zerfällt zunehmend in seine Einzelteile.
30.04.2026
von Tara Yakar

Eine nomadische Sirene in menschlicher Gestalt durchstreift eine Welt im Ausnahmezustand. Sirens Call ist ein hybrider Kunst-, Essay- und Dokumentarfilm, der sich der Merfolk-Subkultur widmet und Menschen porträtiert, die sich als Meermenschen identifizieren. Im Zentrum steht UNA, eine rastlose Figur, die durch die USA zieht und nach Zugehörigkeit sucht. Der Film begleitet Protagonistin UNA durch eine postmoderne Realität, die von ökologischen Krisen und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist. UNA ringt mit ihrem menschlichen Körper, der sich zunehmend fremd anfühlt, während sich Fragen nach Transformation, Körperpolitik und kollektiven Traumata in poetischen Bildern verdichten. Der Film feierte seine Premiere im Rahmen des Berlinale Forum 2025 und ist das Langfilmdebüt des Regie-Duos Miri Ian Gossing und Lina Sieckmann, die sich bereits zuvor mit Themen wie Hauntologie, queeren Lebenswelten und Trauma-Landschaften beschäftigt haben.
Ästhetisch eindrucksvoll, erzählerisch zerfasert
So faszinierend die inhaltlichen Ansätze sind, so schwer fällt es dem Film, sie zu bündeln. Mit einer deutlich ausgedehnten Laufzeit verliert sich Sirens Call immer wieder in Szenen, die eher lose nebeneinanderstehen, als sich zu einer stringenten Erzählung zu verweben. Der Eindruck entsteht, dass viele Sequenzen für sich funktionieren, im Gesamtgefüge jedoch an Zusammenhang verlieren.
Besonders auffällig ist der Umgang mit politischem Material. Motive wie Proteste und Demonstrationen werden zwar eingeführt und visuell eindrucksvoll inszeniert, verschwinden jedoch schnell wieder aus dem Fokus, ohne eine nachhaltige erzählerische Funktion zu erfüllen. Gerade hier hätte der Film die Möglichkeit gehabt, seine gesellschaftskritischen Ansätze zu vertiefen.
Visuell überzeugt der Film auf ganzer Linie, doch die ästhetischen Filmbilder können nicht gänzlich von der brüchigen narrativen Ebene ablenken.
Auch die Protagonistin UNA bleibt auf Distanz. Ihre innere Zerrissenheit ist zwar spürbar angelegt, wird jedoch nicht ausreichend greifbar gemacht, um eine emotionale Verbindung entstehen zu lassen. Dadurch verlieren selbst zentrale Konflikte an Wirkung.
Ein Film mit Vision und ungenutztem Potenzial
Im anschließenden Filmgespräch im Rahmen des Filmforums NRW wird die künstlerische Vision hinter Sirens Call deutlich nachvollziehbar. Auf der Leinwand jedoch bleibt dieses Potenzial weitgehend unausgeschöpft. Zwischen eindrucksvollen Bildern und inhaltlicher Unschärfe entsteht ein Werk, das viele spannende Impulse setzt, diese aber nicht konsequent weiterführt.
Premiere 2025 im Berlinale Forum 2025, Hybrid aus Science-Fiction, Essay- und Dokumentarfilm, ab dem 30. April im Kino



Kommentare