"Weisser Sommer" von Eva Pramschüfer: Wunderschön, aber mit einem Haken
- Tara Yakar

- 2. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Seit Wochen ist Eva Pramschüfers „Weisser Sommer“ Thema Nummer eins auf Social Media.
Mit „Weisser Sommer“ liefert Eva Pramschüfer ein sprachlich herausragendes Debüt ab, das sich anfühlt wie der Übergang vom kalten Winter in die Leichtigkeit des Sommers. Doch hält der Roman, was der riesige Hype verspricht? KULTURA-Autorin Tara verrät in ihrer Rezension, warum man hier keinen klassischen Page-Turner erwarten sollte.
von Tara Yakar
02.07.2026

Alma und Théo lieben sich – zumindest in der Theorie. Praktisch ist die Beziehung der beiden jungen Erwachsenen von Kommunikationsproblemen und tiefen Unterschiedlichkeiten geprägt. Nun geben sich beide noch einen letzten Sommer Zeit, um herauszufinden, ob es sich zu kämpfen lohnt. Zwischen Südfrankreich, München und Paris begleitet man die Figuren auf einer Reise zu sich selbst und vielleicht auch voneinander weg.
Poetische Sprache
Die größte Stärke dieses Debütromans ist eindeutig die poetische und inspirierende Sprache. Einen derart atmosphärischen Schreibstil wie den von Eva Pramschüfer liest man nur selten.
„In gewisser Weise fühlt sich das Sechsundzwanzig-Sein an wie der August, und der August fühlt sich an wie ein Sonntagnachmittag – das Gefühl von Freiheit, kurz bevor sie verschwindet.“
Pramschüfers Schreibstil hingegen fühlt sich an wie der März – die Schwere des Winters hängt noch in den Worten und mischt sich gleichzeitig mit der Leichtigkeit der bevorstehenden Sommermonate. Eingebettet in kluge Metaphern und Gedankenspiele werden auch Themen wie Klassenbewusstsein aufgegriffen und vor allem die Frage, welche Opfer man in einer Beziehung erbringen muss. Einen Haken gibt es trotzdem.
Das Problem mit dem Plot
Zwischen all den schönen Sätzen und den tiefen inneren Monologen verliert sich der Plot. So begleitet man die Protagonist*innen auf 272 Seiten dabei, eine Lösung für ihre Beziehungsprobleme zu finden, doch wirklich miteinander sprechen tun die beiden dabei nicht. So zumindest das Gefühl beim Lesen.
Dazu kommt, dass es phasenweise schwierig war, echte Sympathie für Alma aufzubauen. Die inneren Konflikte der 26-Jährigen sind zwar in gewisser Weise nachvollziehbar, werden aber oft von ihrem fehlenden Privilegienbewusstsein übertrumpft. Wer demnach eine handlungsgetriebene, klassische Liebesgeschichte erwartet mit Charakteren, mit denen man groß mitfühlt, wird von dem Roman enttäuscht werden. Pramschüfer schafft es allerdings, den langsamen Plot in den Hintergrund rücken zu lassen. Allein für die bildgewaltige Sprache und die dichte Atmosphäre, die in der Geschichte aufgebaut wird, lohnt es sich allemal, das Buch zu lesen.
Ist der Roman den Hype wert?
„Weisser Sommer“ ist den Hype definitiv wert, solange man mit den richtigen Erwartungen an das Buch herangeht. Es ist kein klassischer Page-Turner, sondern ein Buch der leisen Töne. Alma und Théo bieten kein Beziehungsdrama, das durch laute Knalleffekte besticht, sondern ein melancholisches Porträt einer Generation, die sich zwischen dem Wunsch nach Freiheit und der Sehnsucht nach Ankommen verliert. Wem ein wunderschöner Schreibstil wichtiger ist als ein rasanter Plot, wird dieses Buch am Ende mit einem wehmütigen Gefühl im Herzen zuklappen. Ein starkes Debüt, das perfekt in die hitzigen Sommertage passt.

Tara Yakar arbeitet als freie Journalistin, studiert Psychologie und leitet als Chefredakteurin das KULTURA MAGAZIN. Für ihr Magazinprojekt "Gemeinsam Einsam", das gesellschaftliche Einsamkeit bekämpft, wurde sie 2025 mit dem Spotlight Jugendpreis der Jugendpresse Deutschland e. V. und des Bundesministerium für Bildung, Familien, Senioren, Frauen und
Jugend ausgezeichnet.



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