Maria Ehrich: „Ich habe gelernt, schneller zu sagen, was ich nicht möchte“
- Tara Yakar

- 17. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Aug.
Schauspielerin Maria Ehrich kennt das Gefühl, es allen recht machen zu wollen, nur zu gut. Im KULTURA-Interview erzählt sie, wie sie gelernt hat, Nein zu sagen, warum Selbstzweifel sie bis heute begleiten und weshalb sie inzwischen einen stärkeren inneren Kompass hat.
von Tara Yakar
17.08.2026

"Ich habe lange damit zu kämpfen gehabt, dass ich dachte, irgendetwas darzustellen, was ich gar nicht bin, nur um irgendjemandem das Leben leichter zu machen."
Normalerweise ist Maria Ehrich auf der Leinwand zu sehen, doch für das Audible-Hörbuch Catlady leiht die 31-jährige Schauspielerin der überforderten Laura ihre Stimme. Auf dem Weg zu ihrer eigenen Hochzeit trifft diese auf den blinden Passagier Sir Cat (Stefan Kaminski), der ihre Reise gehörig durcheinanderbringt. Eine bittersüße Geschichte über Selbstfindung, Verlust und die Kunst, Nein zu sagen.
Laura ist jemand, der am liebsten alles unter Kontrolle hat und ihr Leben bis ins Detail plant. Was hat dich an dieser Figur gereizt?
Das Schöne an Laura ist, dass sie so ungefiltert ist, ein großes Herz hat und mit den richtigen Absichten handelt. Trotzdem ist sie eine People-Pleaserin. Damit kann ich mich total identifizieren. Ich habe lange damit zu kämpfen gehabt, dass ich dachte, irgendetwas darzustellen, was ich gar nicht bin, nur um irgendjemandem das Leben leichter zu machen. Den Umgang mit dem ganzen People-Pleasing fand ich in dem Hörbuch sehr spannend. Man muss schließlich kein schlechter Mensch sein, nur weil man ein People-Pleaser ist.
Wie äußert sich das bei dir?
Ich habe gelernt, schneller zu sagen, was ich nicht möchte. Ich hadere eben nicht mehr so lange, wenn ich zum Beispiel eine Rolle absagen will. Ich spüre in mir drin dann ein Nein, und dann kann ich das auch so kommunizieren, ohne dass es zu forsch rüberkommt.
"Ich glaube, es geht vielen Frauen so, dass man es so tief verinnerlicht hat, dass man Dinge nicht kann."
Gab es beim Einsprechen Momente, in denen du dachtest: „So würde ich genauso reagieren“?
Beim Thema Autofahren zum Beispiel. Ich habe eine super Führerscheinprüfung hingelegt und musste nur noch Fahrerfahrung sammeln, habe mich aber nicht getraut und mir eingeredet, dass ich nicht Auto fahren kann. Ich glaube, es geht vielen Frauen so, dass man es so tief verinnerlicht hat, dass man Dinge nicht kann. Man setzt sich nur viel zu selten solchen Situationen aus, in denen man überhaupt die Erfahrung machen könnte, dass man eine Situation bewältigt, wie zum Beispiel beim Autofahren.
Inwieweit macht sich das in deinem Beruf als Schauspielerin bemerkbar?
Ich kann mich immer hinter meiner Rolle verstecken. Dadurch habe ich eher in meinem Privatleben das Gefühl, dass ich Dinge nicht kann, eben weil ich sie nicht hundertmal vorher proben kann wie in meinem Job.
Du hast gesagt, dass viele Frauen schon früh verinnerlichen, bestimmte Dinge nicht zu können. Hat dich dieses Gefühl auch beim Schauspielen begleitet?
Ich war schon immer ein unsicheres Kind und habe immer damit gerechnet, dass ich etwas nicht kann. Aber das war seltsamerweise beim Schauspielen nicht so. Das habe ich instinktiv einfach gemacht und nicht darüber nachgedacht, ob ich es kann oder nicht.

Du bist schon seit etwa 23 Jahren Schauspielerin: Wie hat sich denn die Schauspielbranche verändert?
Früher hatte ich eine rosarote Brille auf, und mittlerweile weiß ich, dass es viele Punkte gibt, die nicht so gut sind. Sicherlich wurden auch Drehtage und Gelder gekürzt, sodass Produktionen eingeschränkt wurden. Aber ich glaube, es gab früher schon viele Missstände, die ich einfach weniger stark wahrgenommen habe, eben durch die rosarote Brille. Jetzt gerade steht die Filmbranche in der Krise. Es ist nicht so einfach, Projekte zu finden, bei denen man sich denkt: Das ist was Relevantes, das will ich machen, und dann letztendlich auch für die Rolle besetzt zu werden. Ich hoffe, wir schaffen es, etwas Gutes daraus zu machen.
Welche Dinge hast du denn damals durch die rosarote Brille gesehen?
Je älter ich wurde, desto weniger wurde ich geschützt. Damals hatte ich beispielweise einen medizinischen Notfall, wurde aber nicht vom Set weggelassen. Ich bin trotzdem gegangen und der Arzt war schließlich entsetzt, dass die mich noch drehen lassen wollten. Ich glaube, es ist wichtig, sich auch als Team zu sagen: Okay, wir operieren nicht am offenen Herzen.
Du hast in einem Interview mal gesagt, dass man leicht Gefahr läuft, einfach gesellschaftlichen Erwartungen zu folgen. Gibt es Situationen, in denen du eher nach den Erwartungen anderer gehandelt hast?
Ja, ganz oft, aber mittlerweile bin ich besser darin. In der Schule gab es damals aber oft
Situationen, in denen ich wegen der Drehtage nicht in der Schule war und Privatunterricht bekommen habe, die außergewöhnliche Person war und deswegen auch gemobbt wurde. Dann wollte ich nicht mehr drehen. Ich hatte das Gefühl, in die Schule gehen zu müssen, um wieder Teil meiner Klasse zu werden. Zu der Zeit kam ein Projekt, bei dem ich eigentlich nicht mitmachen wollte, für das ich aber genommen wurde. Meine damalige Agentur hat mich auch motiviert, dabei mitzumachen. Ich wollte das wirklich nicht, habe mich am Ende aber trotzdem dazu breitschlagen lassen. Es hätte mir wahrscheinlich gutgetan die Klassenfahrt mitzunehmen. Mittlerweile habe ich aber einen starken Kompass, der mir sagt, was ich will.
Hast du Tipps, wie man das erreicht?
Mir hat es geholfen, mir selbst besser zuzuhören. Außerdem muss man nicht immer auf jede Frage sofort eine Antwort haben. Meine Regel dazu ist: Erst mal tief Luft holen und dann überlegen, was mein inneres Gefühl ist.

Tara Yakar arbeitet als freie Journalistin, studiert Psychologie und leitet als Chefredakteurin das KULTURA MAGAZIN. Für ihr Magazinprojekt "Gemeinsam Einsam", das gesellschaftliche Einsamkeit bekämpft, wurde sie 2024 mit dem Spotlight Jugendpreis der Jugendpresse Deutschland e. V. und des Bundesministerium für Bildung, Familien, Senioren, Frauen und Jugend ausgezeichnet.



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