top of page

Hollywood in NRW – Die Produzenten von „Mother Mary“ im Interview

  • Autorenbild: Alina Gretenkordt
    Alina Gretenkordt
  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

In David Lowerys Psychothriller "Mother Mary" kämpft ein weltbekannter Popstar, gespielt von Anne Hathaway, mit der Erschöpfung hinter ihrer perfekt inszenierten Fassade. Der Film erzählt eine mystische Geschichte über Ruhm, Bekanntheit und die Frage, was von einem Menschen bleibt, wenn die Kunstfigur alles überstrahlt. Warum Geschichten hinter Glitzer und Glamour so faszinieren und wie es ist, mit Weltstars einen Film in Nordrhein-Westfalen zu drehen, erzählen die Kölner Filmproduzenten Maximilian Leo und Jonas Katzenstein im KULTURA-Interview.


von Alina Gretenkordt

19.05.2026


Im Cinenova in Köln-Ehrenfeld fand die Filmpremiere von "Mother Mary" statt - (v.l.n.r.): Robert Gehring (MFG Filmförderung), Jonas Katzenstein, Maximilian Leo (Produzenten, "augenschein" Filmproduktion), Isabel Krolla (Film- und Medienstiftung NRW), Roxana Soheili (LEONINE Studios). Foto: Tara Yakar
Im Cinenova in Köln-Ehrenfeld fand die Filmpremiere von "Mother Mary" statt - (v.l.n.r.): Robert Gehring (MFG Filmförderung), Jonas Katzenstein, Maximilian Leo (Produzenten, "augenschein" Filmproduktion), Isabel Krolla (Film- und Medienstiftung NRW), Roxana Soheili (LEONINE Studios). Foto: Tara Yakar

Als David Lowerys "Mother Mary" beginnt, wird es im Kinosaal still. Gebannt schaut das Publikum auf die Leinwand, auf der ein Film mit internationaler Strahlkraft läuft. Anne Hathaway und Michaela Coel sieht man in den Hauptrollen, die Musik ist unter anderem von Charli xcx und Jack Antonoff. Als der Abspann über die Leinwand läuft, setzt im Kinosaal lauter Applaus ein. Das Besondere an "Mother Mary": Was im Film wie englische Countryside wirkt, ist tatsächlich in Nordrhein-Westfalen entstanden.


„Wenn man uns vor zehn Jahren gesagt hätte, dass wir mal einen Film mit Anne Hathaway, Michaela Coel und David Lowery machen, hätten wir das mit hundertprozentiger Sicherheit ausgeschlossen.“


Maximilian Leo und Jonas Katzenstein von der Kölner Produktionsfirma "augenschein" haben "Mother Mary" auf deutscher Seite mitproduziert. Für Leo zeigt das Projekt, welches Potenzial der Filmstandort Nordrhein-Westfalen hat: „Wir haben hier in Deutschland, in NRW, erstklassige Bedingungen, Filme zu machen. Wir haben super Locations, ausgezeichnete Teams und eine starke Förderung.“


Gedreht wurde "Mother Mary" unter anderem in Köln, Bonn und auf Burg Adendorf in Wachtberg. Weitere Drehorte waren Oberhausen, Burg Müddersheim im Kreis Düren sowie die MMC Studios Köln.

Eine besonders wichtige Rolle spielte Burg Adendorf. Die dortige Scheune wurde für den Film in einen dunklen, entrückten Ort verwandelt, der die mystische Stimmung der Geschichte trägt.

Auch von der Zusammenarbeit mit Regisseur David Lowery sprechen Leo und Katzenstein mit großer Begeisterung.


Michaela Coel und Anne Hathaway in "Mother Mary". Foto: LEONINE Studios / Eric Zachanowich
Michaela Coel und Anne Hathaway in "Mother Mary". Foto: LEONINE Studios / Eric Zachanowich
„Die Möglichkeit, mit David zusammenzuarbeiten, war auf jeden Fall großartig. Er ist ein sehr besonderer Filmemacher. Es war toll, im Austausch mit ihm zu sein, seine Vision zu verstehen und sie bei einem so großen und aufwendigen Projekt realisieren zu können“, sagt Katzenstein.

Offenbar blieb nicht nur den Produzenten die Arbeit in Nordrhein-Westfalen positiv in Erinnerung. Auch den Hauptdarstellerinnen soll der Dreh gefallen haben. Michaela Coel habe bei der Londoner Premiere sogar gefragt, wann ihr nächstes Projekt in Köln stattfinden werde.


„Ich glaube, es geht um die Schattenseite. Da, wo das Licht ist, ist eben auch Schatten.“


Im Zentrum des Films steht die Beziehung zwischen Mother Mary und der Modedesignerin Sam. Die beiden verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, die mit dem Wiedersehen erneut spürbar wird. Aus der Bitte um ein Kleid entsteht eine intensive Begegnung zwischen zwei Frauen, die einander einmal sehr nah waren und nun herausfinden müssen, was von dieser Nähe geblieben ist.

„Für mich geht es im Film aber auch um eine Frauenfreundschaft, bei der irgendwie Dinge zwischen diese beiden Frauen geraten sind. Es geht um zwei Frauen und die Geister, die buchstäblich zwischen ihnen stehen“, beschreibt Leo.



Die Beziehung zwischen Mother Mary und Sam ist deutlich von Marys Ruhm geprägt. Beide haben unterschiedlich erlebt, was es bedeutet, wenn ein Mensch zur Projektionsfläche für ein Publikum wird.

Als Mother Mary Sam im Film aufsucht, wirkt sie von genau dieser Rolle erschöpft. Sie ist nicht nur ein Star, dem Tausende zujubeln, sondern auch eine Frau, die unter dem Gewicht dieses Bildes beinahe zu zerbrechen droht.


Ruhm und seine Schattenseiten


Auffällig viele Filme und Dokumentationen interessieren sich derzeit für den Moment, in dem Ruhm zur Fallhöhe wird. Ob in Porträts realer Künstler*innen wie Shirin David oder Haftbefehl oder in fiktionalen Stoffen wie "The Substance": Immer wieder geht es um die Frage, was Öffentlichkeit mit Menschen macht, die dauerhaft angesehen werden. Maximilian Leo erklärt, dass ein Leben voller Glitzer und Glamour oft auch dunkle Momente mit sich bringt. Es gehe darum, gerade auf diese Schattenseiten das Licht zu werfen.


Mother Mary tut das auf besondere Weise: Der Film zeigt die lauten, glänzenden Momente einer Pop-Ikone, aber auch die leisen Augenblicke danach – wenn der Jubel verklungen ist und sichtbar wird, was diese Rolle kostet.


"Mother Mary" startet am 21.Mai in den deutschen Kinos. Regie führte David Lowery. In den Hauptrollen sind Anne Hathaway und Michaela Coel zu sehen. Produziert wurde der Film unter anderem mit Beteiligung der Kölner Produktionsfirma augenschein.


Alina Gretenkordt hat einen Bachelor in Literatur, Kultur und Medien und studiert derzeit Medienwissenschaft im Master. Neben ihrer Tätigkeit bei Hubert Burda Media schreibt sie für das KULTURA MAGAZIN. In ihren Texten beschäftigt sie sich mit Popkultur, gesellschaftlichen Konflikten und Geschichten aus dem Alltag.



Kommentare


bottom of page