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“Camp Rock 3”: zu voll und gleichzeitig zu leer

Autorenbild: Anika Bentley
Anika Bentley
30. Aug.
5 Min. Lesezeit

“Camp Rock 3” fühlt sich an, als hätten die Produzent*innen die ersten beiden Filme angeschaut, ohne ihr Smartphone dabei wegzulegen. So haben wir zu viele unvollendete Handlungsstränge und Token-Figuren. Ein Kommentar von KULTURA-Autorin Anika.


von Anika Bentley

30.08.2026


Demi Lovato als Mitchie Torres in „Camp Rock 3“. Foto: Disney / David Astorga
Demi Lovato als Mitchie Torres in „Camp Rock 3“. Foto: Disney / David Astorga

Dieser Artikel enthält Spoiler über den Film.


Die Handlung von “Camp Rock 3” (2026) ist simpel: Die Jonas Brothers, “Connect 3”, suchen eine Vorband für ihre Versöhnungstour und wollen diese im altbekannten Camp Rock finden. Dafür finden im Camp drei Challenges statt: Während die erste Challenge ein simples Vorsingen ist, wird bei der zweiten Challenge um die Wette getanzt, bis nur noch fünf Konkurrent*innen übrig bleiben. Challenge Nummer drei beinhaltet dann, dass diese fünf Teenager 24 Stunden in einem Bus im Wald verbringen müssen, ohne zu sterben – entweder vor Langeweile, oder wegen des ein oder anderen Schwarzbärens,

der durch die Wälder Kanadas streift. Immerhin wurde sich an den originalen Drehort gehalten.


Da alle fünf Hauptcharaktere die Challenge im Bus bestehen, dürfen sie alle im Final Jam auftreten. Dort treffen die Jonas Brothers dann die finale Entscheidung und natürlich haben am Ende alle gewonnen – also alle fünf von den über 120 Camper*innen (ja, ich habe das Publikum gezählt), denen die Teilnahme am Final Jam verwehrt wurde, weil sie zu Beginn des Camps mal schief gesungen haben.


Mehr Logiklücken als Charakterentwicklungen


In “Camp Rock 2: The Final Jam” (2010) sollen die Camper*innen im Camp Rock ihre Leidenschaft für Musik entdecken, während sie in Camp Star darauf trainiert werden, der neue Weltstar von morgen zu werden. 16 Jahre später ist Camp Rock allerdings selbst zur Popstarfabrik geworden, die offenbar keine Ressourcen an weniger talentierte Camper*innen verschwendet. An ihrer Stelle würde ich mein Geld zurückverlangen.


Auch sonst ist der Film inkonsistent: Während Camper*innen wegen unerlaubter Smartphone-Nutzung das Camp verlassen müssen, darf eine Camperin bleiben, obwohl sie geheime Inhalte im Internet veröffentlicht hat. Ihr Plan ist ein heimlich aufgenommenes Video, das die fünf Hauptfiguren vom Final Jam disqualifizieren soll. Weder das Video selbst, noch seine Verbreitung oder die Auflösung des Konflikts spielen anschließend eine Rolle.


Mitchie taucht zwar gegen Ende des Films auf und ist wie zu erwarten eine berühmte Sängerin geworden, die wichtigste Frage der Fans bleibt allerdings offen: Wieso ist sie nicht mehr mit Shane zusammen? Ihre Figur hat noch weniger Einfluss auf die Handlung als die der Jonas Brothers – fast so, als hätte Demi Lovato sich ihr Cameo bis zum letzten Drehtag offen gelassen.


Sieben Hauptfiguren und ich erinnere mich an niemanden


“Camp Rock 3” führt mit Sage und Desi, Rosie, Cliff, Fletch, Callie und Maggie gleich sieben neue Hauptfiguren mit eigenen Hintergrundgeschichten ein. Die Geschwister Sage und Desi

streiten sich, Rosies Eltern sind streng, Cliff wird wegen seiner angedeuteten Neurodivergenz gehänselt, Fletch verarbeitet einen Verlust, Callie unterstützt Sage, um nach der Hälfte des Films zu verschwinden und Maggie ist eine gemeine Influencerin ohne Persönlichkeit. Dazu kommen drei angedeutete Romanzen und ein Streit zwischen den Jonas Brothers (Ups, “Connect 3”) in gerade einmal 100 Minuten.


Kaum eine der Geschichten schafft es, zu Ende erzählt zu werden – aber das fällt gar nicht negativ auf, weil wir ohnehin so wenig über die Figuren wissen. Wir sehen bei keiner der Figuren eine Charakterentwicklung: Rosie ist beim Final Jam auf einmal eine Rockerin geworden, die ohne die Saiten zu berühren und mit offenen Haaren Cello spielt und die Protagonistin Sage hat zwar ihren Schwarm Fletch wegen seines heimlichen Handykonsums bei der Campleitung verpfiffen, erfährt für dieses Verhalten aber auch keinerlei Konsequenzen, weil sich das Problem bereits Off-Cam gelöst hatte.



Nicht mein Camp Rock


Natürlich können nicht alle Camper*innen im Mittelpunkt der Handlung stehen. Hauptfiguren hat der Film ohnehin schon zu viele. Was mir allerdings gefehlt hat, sind die Campaktivitäten drum herum. Bis auf eine kurze Szene am Lagerfeuer hätte die ganze Geschichte nämlich auch an einem Internat mit Musikleistungskurs spielen können. Wir sehen nicht einen Workshop, nicht eine Tanzstunde und nicht mal eine Szene in einer vollen Cafeteria. Auch die wichtigen Events aus dem ersten Film wie der Pyjama-Jam wurden entweder nicht gezeigt oder in den vergangenen 16 Jahren vergessen – vielleicht hat ja eine*r der Camper*innen tatsächlich mal eine Schlange gesehen.


In “Camp Rock 3” hat es sich angefühlt, als hätten sich die Autor*innen lediglich eine Disney-Cringe Compilation auf TikTok angesehen.

Auch das Cameo von Demi Lovato hat den Film nicht nach einer würdigen Fortsetzung für das Franchise anfühlen lassen. Vielleicht war es Mitchies fehlender Pony, aber ich sehe in den Auftritten des Originalcasts eher einen Fanservice für eine Zielgruppe, die der Film selbst nicht so richtig definieren kann.


Nostalgie-Bait und Tokenismus


Natürlich beglückt der Film seine Zuschauer*innen mit einigen schmerzlichen Erinnerungen an das, was sie mal hatten. Szenen wie die "Whatever-major-Loser"-Geste haben die originalen Filme so ikonisch gemacht, weil ein Team von Produzent*innen damals wohl tatsächlich dachte, dass Teenager sich so verhalten würden – in “Camp Rock 3” hat es sich angefühlt, als hätten sich die Autor*innen lediglich eine Disney-Cringe Compilation auf TikTok angesehen.


Auch in der Vergabe ihrer Stereotypen hat Disney sich an altbekannte Muster gehalten. Mit Callie haben wir wieder eine Schwarze beste Freundin, die der nicht-Schwarzen Hauptprotagonistin mit Rat und Tat zur Seite steht (in diesem Fall auch ihrem Bruder), ohne selbst ein relevanter Teil der Handlung zu sein. Das kennen wir schon von Teddys bester Freundin Ivy (“Meine Schwester Charlie”, 2010–2014) oder dem iCarly-Reboot (2021–2023). Ganz nach “Camp Rock”-Manier haben wir ein “Mean Girl” mit zwei Sidekicks, deren Intelligenzquotient mit den Außentemperaturen im herbstlichen Kanada konkurriert. Dass die typische Zicke dazu noch rote Haare hat, kennen wir aus Filmen wie “Duff” (2015) oder “Mean Girls” (2004). Das ist zwar eine nette Abwechslung zur sonst blonden Antagonistin, darüber hinaus aber wenig originell. Der im Vergleich zu den restlichen Hauptfiguren eher korpulente Charakter Cliff als “Funny Guy” mit Flirtproblemen macht das Token-Quartett perfekt. An queeren Charakteren mangelt es dem Film währenddessen komplett.


Show, don’t tell


Der Film versagt in einer der grundlegendsten erzählerischen Disziplinen: “Show, don’t tell”. Anstatt uns zu zeigen, wie hartnäckig die Protagonistin Sage an ihrem Popstar-Traum arbeitet, erzählt sie uns einfach in Szene Eins, dass es so ist. Ein Zusammenschnitt aus vergangenen Gesangswettbewerben oder selbstgedrehten Youtube-Videos hätte zeitlich wohl nicht in den Fernsehfilm gepasst. So ergibt sich eine Produktion, die versucht, zu viele Figuren und Geschichten in einem Produkt zu vereinen, um eine Generation glücklich zu machen, die mit Demi Lovatos Gesangssolos und ohne TikTok aufgewachsen ist. Viel Quantität, kaum Qualität, dafür zu viele schlecht erfüllte Quoten.




Anika Bentley hat Kommunikations- und Medienwissenschaften in Bremen und Berlin studiert und schreibt aktuell bei einem Nachrichtenportal für junge Menschen über gesellschaftsnahe Diskurse, Gesundheits- und Verbraucherthemen sowie Trends aus dem Internet.

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