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20 Jahre Fitzek: Eine Einladung in die Welt des Bösen

  • Autorenbild: Tara Yakar
    Tara Yakar
  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Wer gern Psychothriller liest, kommt an ihm kaum vorbei: Sebastian Fitzek, einer der erfolgreichsten deutschen Psychothrillerautoren, feiert am 7. und 8. August sein 20-jähriges Autorenjubiläum in der Berliner Waldbühne und hält dabei die eine oder andere Überraschung bereit, die selbst erfahrene Fitzek-Fans nicht vorhersehen dürften.


von Tara Yakar

08.08.2026


Sebastian Fitzek bei seiner Jubiläumsshow in der Berliner Waldbühne. Foto: Volkmar Otto
Sebastian Fitzek bei seiner Jubiläumsshow in der Berliner Waldbühne. Foto: Volkmar Otto

Eine laue Sommernacht zieht über das Grün der Waldbühne im Westen Berlins. Stimmen vermischen sich mit dem leichten Geruch von süßem Wein und die etwa 20.000 Besuchenden nehmen so langsam ihre Plätze ein. Nach einer stimmungsvollen Gesangseinlage von Naturally 7 und einer Tanzeinlage der Flying Steps heißt Fitzek, ganz in Schwarz, fast schon unscheinbar, das Publikum willkommen.


Vor 20 Jahren veröffentlichte der Bestseller-Autor sein erstes Buch Die Therapie. Und wie bei späteren Bestsellern fast schon üblich, wurde auch seines zuerst von den allermeisten Verlagen abgelehnt, bis auf den Droemer Knaur Verlag, der Potenzial in Fitzeks Idee sah.


Die Einladung in die Welt des Bösen?


Fitzek liest zunächst aus seinem Debüt Die Therapie und anschließend gemeinsam mit Ayla Uluçam, Gewinnerin des deutschen Vorlesewettbewerbs 2025, aus Der Nachbar. Die 13-jährige Vorleserin zieht das Publikum sofort in ihren Bann. Die Spannung hält sich bis zur letzten Seite, nur dass ausgerechnet beim letzten Plot-Twist kurz der Ton ausfällt und das Publikum die Auflösung nicht mehr mitbekommt. Ein Grund mehr, selbst ins Buch zu schauen. Auf Nervenkitzel folgt Selbstironie.


Ayla Uluçam (links) und Sebastian Fitzek (rechts) lesen aus der Nachbar vor. Im Hintergrund singt N7. Foto: Volkmar Otto
Ayla Uluçam (links) und Sebastian Fitzek (rechts) lesen aus der Nachbar vor. Im Hintergrund singt N7. Foto: Volkmar Otto

Skandal um Fitzi


Aus negativen Rezensionen zusammengeschnitten, ergibt sich ein Lied über Fitzeks Bücher, das für viele Lacher im Publikum sorgt. Auch die anschließende, in Jugendsprache übersetzte Inhaltsangabe von Abgeschnitten hebt die Stimmung.


Rea Garvey rundet die Show mit seinen gefühlvollen Gesangseinlagen ab, während es Fitzek wie kaum ein anderer schafft, eine Gratwanderung zwischen Bewunderung und Skepsis zu meistern. Denn wie kommt man überhaupt auf all diese qualvollen Ideen?


Fitzek gewährt ebenfalls Einblicke in private Geschichten und erzählt von einer Situation mit einem Psychotherapeuten. Dieser habe ihm zwar angeboten, ihn zu therapieren – allerdings mit der Einschränkung, dass er danach vermutlich nicht mehr auf die gleiche Weise an seinen Psychothrillern schreiben könnte.

Dass Fitzeks Geschichten mit der menschlichen Psyche spielen, zeigt sich bei einem der Highlights des Abends. Mimikresonanz-Experte Dirk Eilert, der Fitzek für MIMIK fachlich beriet, nimmt ausgewählte Gesichter des Publikums unter die Lupe. Bei einem interaktiven Speed-Dating-Experiment darf die Waldbühne selbst mitraten: Findet die Frau im Video ihr Gegenüber tatsächlich gut oder spielt sie nur Interesse vor? Das Publikum stimmt ab, Eilert löst auf und erklärt, welche kleinen Reaktionen im Gesicht Hinweise auf ihre Emotionen geben.


Wenn das Böse real wird


Auch wenn Fitzeks Bücher (hoffentlich) rein fiktiv sind, ist die Realität manchmal nicht weit entfernt. Während die Waldbühne in immer dunkleres Licht getaucht wird, erscheinen reale Kriminalstatistiken auf der Bühne. Das Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2024 verdeutlicht das Ausmaß: Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 265.942 Menschen polizeilich als Opfer häuslicher Gewalt erfasst – ein neuer Höchststand. Das entspricht fast jedem fünften Opfer innerhalb der dafür relevanten Deliktbereiche der Polizeilichen Kriminalstatistik. Mit einem Anteil von 70,4 Prozent waren die Betroffenen überwiegend weiblich. Fitzek und sein Team spendeten zudem 25.000 Euro an den WEISSEN RING, der sich für Opfer von Kriminalität und Gewalt einsetzt.


Motiv: Eskapismus


Ein Grund, warum das Genre Thriller so erfolgreich ist, ist der Eskapismus: Das Buch wird zugeklappt, das Böse zwischen den Seiten gelassen und die Morde und Intrigen werden im Bücherregal vergraben. Ähnlich auch der Ablauf der Show: ein Auf und Ab zwischen düsteren Themen, lockeren Moderationseinlagen von Fitzek selbst, den Lachern des Publikums und etwas Promo für seinen neuen Roman Der Nachtzug. Und zwischendrin die Kiss-Cam, die nach dem Coldplay-Konzert-Fauxpas aus einer Verabredung mit der Affäre schnell ein Horror-Date machen kann.


Mit seiner Jubiläumsshow gewährt Fitzek einen kleinen Einblick in seine Welt zwischen Psychothrillern und der Faszination für die menschliche Psyche. Auf dem Heimweg schwingt noch der Klang des Bösen nach nur dass dieser zwischen all den Menschen, die ihre Liebe zum Lesen und Mitfiebern teilen, gar nicht mehr so dunkel erscheint.




Tara Yakar arbeitet als freie Journalistin, studiert Psychologie und leitet als Chefredakteurin das KULTURA MAGAZIN. Für ihr Magazinprojekt "Gemeinsam Einsam", das gesellschaftliche Einsamkeit bekämpft, wurde sie 2024 mit dem Spotlight Jugendpreis der Jugendpresse Deutschland e. V. und des Bundesministerium für Bildung, Familien, Senioren, Frauen und Jugend ausgezeichnet.

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